"Szenen aus der Tiefe" von Maxim Gorki

Ein Konzept von Ingeborg Waldherr

Eine artistische Nummern-Revue: Überlebenskunst und Kampf im Bestiarium
Der globale Kampf um Macht und Profit läuft auf Hochtouren. Wer unrentabel ist, wird "aussortiert". Aus früheren Outcasts sind längst Normalbürger geworden. Gorkis vitales Stück "Nachtasyl" soll spielerische Grundlage eines Theaterprojektes mit Arbeitslosen und Brennglas für die Konfrontation zwischen Macht und Ohnmacht, (vererbtem) Wohlstand und aussichtsloser Armut sein. Die Asylanten heute sind "unbrauchbare Masse" und "Abfallprodukt" einer rein wirtschaftsorientierten Welt. Machtkämpfe und Zerstörung machen aus Opfern und Losern wieder Täter wieder Opfer und Loser? Ihre Konkurrenzkämpfe und Hackordnungsrituale sind dabei ein Vergrößerungsglas gesellschaftlicher Kräfte. Die Spielregel Nr. 1 des Systems funktioniert ungeschminkt auch "in der Tiefe": Aggressive und kalte Selbstbehauptung des Ego! Gelernt ist gelernt, die gesellschaftliche Dressur wirkt und sorgt für Beifall. Schlägereien, Mordanschläge, Gewaltaktionen, Stripnummern, Sauforgien und selbstinszenierte Showeinlagen nach Medienreality, Verbalattacken und Zerstörungswut drücken brutalen Selbstbehauptungsmechanismus aus, sind Zeitvertreib und blanker "Pulsschlag" allgemeiner Kräfte.

Nachtasyl

Das Betätigungsfeld der ausrangierten Akteure: Eine Arena, Kampfplatz, Spielfeld. So soll der Raum aussehen. Gerüste, Neonleuchten, harte Atmosphäre mit Industrieästhetik. Körperliche Auseinandersetzungen demonstrieren den Glauben an das Recht des Stärkeren und die Bereitschaft zur Gewalt: "Brot und Spiele" für die Vermögenden, die caritative Absichten vortäuschen, um eigene Vorteile zu beziehen. Wohltätigkeit macht sich bezahlt: Aktuelles Dokumentarmaterial über Steuervergünstigungen durch Wohltätigkeit verdeutlichen die Fronten. Wohltätigkeit offenbart sich als kalkuliertes Business. Der Großunternehmer weiß leerstehende Räume zu nutzen. So verbindet sich Geschäft mit modernem Anstand - zu eigenen Konditionen. Auch von Armut und Abhängigkeit lässt sich profitieren.